Schwerer Schlag für die Südstadt
Erklärung der halleschen Bundestagsabgeordneten Janina Böttger
Der Rückzug von Kaufland als Ankermieter bedeutet das Aus für das Südstadt-Center in Halle. Die endgültige Schließung ist ein schwerer Schlag für die Menschen im Stadtteil. Mit ihm verschwindet ein ganzer Versorgungs- und Alltagskosmos: Lebensmittel, Apotheke, Drogerie, Bekleidung, kleine Dienstleister und weitere Geschäfte des täglichen Bedarfs. Die gewachsene Infrastruktur im Quartier bricht damit auf einen Schlag weg. Diese Situation darf so nicht bleiben.
Die Südstadt braucht schnell eine verbindliche Ersatzlösung – am Standort, im Quartier, ohne jahrelange Hängepartie. Eine weitere Ausdünnung der Infrastruktur würde den Stadtteil destabilisieren und soziale Ungleichheit verschärfen. Der Eigentümer steht in der Verantwortung. Es drängt sich der Eindruck auf, dass notwendige Investitionen über Jahre unterblieben sind und das Gebäude augenscheinlich dem Verfall überlassen wurde. Wenn Sicherheitsmängel zur Schließung führen, ist das kein Naturereignis, sondern Folge unterlassener Verantwortung. Solange Gewinne erwirtschaftet werden, funktioniert der Markt – doch wenn Investitionen nötig sind, erfolgt der Rückzug. Dieses Muster – Gewinne mitnehmen, Verantwortung abgeben – ist nicht hinnehmbar.
Nach Berichten haben über 80 Beschäftigte ihre Arbeit verloren. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Entwicklung zeichnete sich seit Wochen ab – jetzt braucht es schnelle Zusagen für Weiterbeschäftigung und Unterstützung.
Für tausende Bewohnerinnen und Bewohner der Südstadt ist Nahversorgung keine Komfortfrage, sondern eine Frage des funktionierenden Alltags und der Würde. Insbesondere Ältere, Familien und Menschen ohne Auto sind auf wohnortnahe Angebote angewiesen. Wenn ein zentraler Versorger verschwindet, trifft das nicht „den Markt“, sondern die Menschen. Nahversorgung ist Daseinsvorsorge. Es kann nicht sein, dass ein ganzer Stadtteil die Folgen von Spekulation, Renditedruck und unternehmerischem Rückzug trägt. Die Südstadt ist kein Randgebiet zweiter Klasse. Die Menschen hier haben Anspruch auf funktionierende Infrastruktur, sichere Gebäude und verlässliche Versorgung.
